Autograph Letter Signed W. H. Auden to Stella Musulin with Typescript W. H. Auden "Joseph Weinheber" 1965-04-28 and with Typescript W. H. Auden Translation "Joseph Weinheber"
PIDhttps://hdl.handle.net/21.11115/0000-000E-C32C-5
AuthorAuden, W. H.
Editor(s)
  • Mayer, Sandra
  • Frühwirth, Timo
PublisherAustrian Centre for Digital Humanities and Cultural Heritage, Vienna 2021
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Cite this Source (MLA 9th Edition)Andorfer Peter, Mayer Sandra, Frühwirth Timo, Mendelson Edward, Neundlinger Helmut and Stoxreiter Daniel. Auden Musulin Papers: A Digital Edition of W. H. Auden's Letters to Stella Musulin. Austrian Centre for Digital Humanities and Cultural Heritage, Austrian Academy of Sciences, 2022, amp.acdh.oeaw.ac.at/amp-transcript__0039.html. Acessed Please activate JavaScript and reload page!.

Die Baronin
Stella Musulin
Fridau
Obergra[][]endorf
bei S. Pölten
N.Ö.

W.H. Auden
Kirchstetten (Westbahn)
Hinterholz# 6
N.Ö
·

     JOSEPH WEINHEBER
       (I892-I945)

Reaching my gate a narrow
Lane from the village
Passes on into a wood:
When I walk that way,
It seems befitting to stop
And look through the fence
Of your garden where(under
The circs they had to)
They buried you like a loved
Old family dog.

Categorised enemies
Twenty years ago,
Now next-door neighbors,we might
Have become good friends,
Sharing a common ambit
And love of the word,
Over a golden Kremser
Had many a long
Language on syntax,commas,
Versification.

Yes,yes,it has to be said:
Men of great damage
And malengine took you up.
Did they for long,though,
Take you in,who to Goebbells'
Offer of culture
Countered In Ruah lassen!?
But Rag,Tag,Bobtail
Prefer a stink,and the young
Condemn you unread.

Rev .

rev.

Wednesday . Kirchstetten

Dear Stella:
Many thanks for your letter. Will try and call you
to-day by phone.
I enclose a prose translation made by me and a German friend;
[] [] Since the copy I sent you , [] I have made a few slight
changes in stanza 3. (see above)
Could you check the translation for errors.
love
Wystan.

                          JOSEPH WEINHEBER
                            (I892-I945)

1

       Von meiner Gartentur
       Von meiner Gartentür fürhhrt ein schmaler Pfad vom Dorf weiter in einen Wald. Auf
meinen Gängen dorthin scheint es gehörig,stehen zu bleiben und durch den Zaun deines
Gartens zu schauen,in dem🗴 dich(die Umstände verlangten es) wie einen alten geliebten
Familienhund begrub.

2

       Vor zwanzig Jahren katergorisierte🗴 Feinde,jezt nah benachbart,wären wir
vielleicht gute Freunde geworden,die eine gemeinsame Umwelt und Liebe für das Wort
teilten,und hätten bei einem goldhellen Kremser länge Gespräche uber Syntax,Kommas
und Verskunst geführt.

3

      Ja,ja,es muss gesagt werden,Machthaber,die grosses Unheil stifteten und Böses
plnaanten,nahmen dich auf;für wie lang,doch,wickelten sie dich ein,dich,der auf Goebbels
Angebot von Kultur "In Ruah lassen!" entgegnetest? aAber  /? [] Rag,Tag, Bobtail ?    xziehen einen Stunk
vor,und die Jungen verdammen dich ungelesen.

4

      Was wohl würde dir,dem Osterreicher,dem Dichter,dein Herz gesagt haben,hättest
du je von Franz Jägerstätter,dem Sankt Radegunder Bauern,gehört,der sein einsames
Nein zu dem Arierstaat sagte und geköptft wurde? Naturlich sorgte man dafür,dass nichts
davon zu Ohren kam,

5

     dass du unvorbereitet auf einen Tag sein solltest,der kommen muusste,eine Zeit,
voller Schrecken,Tränen und Auflösung,in sdem du,vor Alpbdrück erstarrt,dich selbst
vernichtetest? Vergeltung ging immer wie ein Stümper vor. "Dies alles ist furchtbar,
hier nur Schweigen gemäss."

6

     Unbemerkt und unbetrauert von mir die Stunde deines Todes,unbegrüsst von dir
war der Augenblick,als ich,von der Vorsehung geleitet,Kirchstetten zuerst erblickte,
an einem Oktobertag in strömenden Regen,in einem Jahr,sdas unsern Kosmos verändertet ,
dem annus mirabilis als die Parität gestürzt wurde.

7

    Schon waren die Reiche,die verloren hatten,genügend warm und sattgegessen,ihre
Verbrechen waren auf prosaischer und privater Art,jene Ärgernisse,Tote und Schutt,
längst weggeschafft: für ihre Geschändeten verblallasste der Schock,ihre gewaltsam
entführten Physiker hatten kein Heimwheh mehr.

8

    Heute lacheln wir bei Hochzeiten,auf denen sowohl Braut als Bräutigam geboren
waren,als sich der Schatten gehoben oder vielmehr anderswohin gerückt war. Bis
jezt jetzt ist die Erde noch nie ohne ihren faulen Stellen,einen Unort mit
Stellungen für Folterer,(In welchen Bars sind sie willkommen? Welche Mädchen
heiraten sie?)

9

   noch nie war überall Frieden auf ihrer nährenden Oberfläche: so viel wir wissen,
ist niemand je sicher gewesen,und deshalb überwachen brave Familienväter,mit der
Hingebung von Mönchen,in geheimen Zonen,Geräte,in denen harmlose Substanz
menschenmörderisch wird.

10

    Doch hier fühl ich mich zuhause,wie du es tatst: dieselben kurzlebigen Geschöpfe
stimmen wieder dieselben sorglosen Lieder an; Obstgärten halten fest an dem Regime,
das sie kennen,von des Aprils rasch zunehmenden Farbtönen bis zum ungestümen Herbst,
wann bei jedem stotternden Windstoss Äpfel auf den Boden plumpsen.

11

    Wenn ich über unser Tal - human un bescheiden und sanft im Umriss - schaue,in dem
der Sichelbach westwarts gurgelt,um sich mit dem Perschling zu vereinigen,bin ich
mir bedeutendere Nachbarn ehrfürchtig bewusst,der Berge,die hinter mir aufragen,
vor mir des noblen Flusses,

12

    doch möcht ich auch dir Achtung erweisen,Nachbar und Kollege; denn selbst mein
englisches Ohr erfasst in deinem Deutsch die Meisterschaft und den Tonfall einen
dem es vergönnt war,auf dem umzaunten Rasen die Bratchschen zu hören,die er sich
später verpflichtet fühltet,"den Abgrund zu nennen."

                         ______

statt Brat

My dictionary gives Krethi und Plethi .
Is that right?